Pokémon & One Piece als Investment: Haben Trading Cards den S&P 500 geschlagen?

Giuliano Stellini |

Pokémon & One Piece als Investment: Haben Trading Cards den S&P 500 geschlagen?

Stand: 2026

Pokémon-Karten, One-Piece-Boosterboxen und seltene Trading Cards werden längst nicht mehr nur von Spielern und Fans gekauft. Hochwertige Sammelkarten, PSA-10-Karten und original verschlossene Boosterboxen haben sich zu einem eigenen Markt für Collectibles und alternative Assets entwickelt.

Doch wie gut waren Trading Cards tatsächlich als Investment?

Die kurze Antwort:

Bestimmte Segmente des Trading-Card-Marktes haben den S&P 500 in den vergangenen Jahren deutlich geschlagen. Besonders stark entwickelte sich bei Pokémon der Bereich „Sealed Products“ – also ungeöffnete Boosterboxen und andere original verschlossene Produkte. Auch einzelne frühe One-Piece-Produkte erzielten seit dem Start des One Piece Card Game aussergewöhnliche Wertsteigerungen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Pokémon- oder One-Piece-Karte automatisch ein gutes Investment ist.

Der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Booster, einer durchschnittlichen Einzelkarte und einem seltenen, ungeöffneten Sammlerprodukt ist enorm.


Trading Cards vs. S&P 500: Die wichtigsten Zahlen

Eine 2026 veröffentlichte Analyse von TCGinvest untersuchte 8'881 Pokémon-Einzelkarten und 90 versiegelte Pokémon-Produkte über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Vom 1. Juni 2021 bis 1. Juni 2026 ergab sich:

Anlage Wertentwicklung
Pokémon Sealed Products – Median +238,0 %
Pokémon Sealed Products – Gesamtbasket +214,6 %
Pokémon Einzelkarten – Median +38,3 %
S&P 500 Kursindex +80,9 %

Damit lag der Median der untersuchten versiegelten Pokémon-Produkte in diesem Zeitraum deutlich vor dem S&P 500.

Besonders interessant: 94,4 % der untersuchten Sealed-Produkte stiegen über den Fünfjahreszeitraum im Preis.

Das schwächste Zehntel der untersuchten Sealed-Produkte erzielte laut der Analyse immer noch +30,9 %. Bei Einzelkarten sah das völlig anders aus: Das schwächste Zehntel verlor rund 70 %.

Genau deshalb betrachten viele Sammler ungeöffnete Produkte anders als einzelne Karten.


Was wären CHF 10'000 geworden?

Machen wir die Zahlen greifbar.

Angenommen, eine Investition von CHF 10'000 hätte exakt der Median-Performance der untersuchten Pokémon-Sealed-Produkte von +238 % entsprochen.

Pokémon Sealed

Aus:

CHF 10'000

wären rechnerisch:

CHF 33'800

geworden.

Gewinn:

CHF 23'800


S&P 500

Bei einer Kurssteigerung von +80,9 % wären aus denselben:

CHF 10'000

rund:

CHF 18'090

geworden.

Gewinn:

CHF 8'090

Damit hätte eine hypothetische Position mit der Median-Rendite der untersuchten Pokémon-Sealed-Produkte rund CHF 15'710 mehr Endwert erreicht.

Wichtig: Beim verwendeten S&P-500-Vergleich handelt es sich um die Kursentwicklung ohne Dividenden. Ein Total-Return-Index inklusive reinvestierter Dividenden hätte besser abgeschnitten. Bei Trading Cards wiederum müssen Handelsgebühren, Versand, Versicherung, Lagerung und Verkaufskosten berücksichtigt werden.


Pokémon über 20 Jahre: +3'261 %?

Noch spektakulärer ist eine Zahl, die in den vergangenen Jahren international für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Daten von Card Ladder, über die unter anderem Fortune berichtete, bezifferten die langfristige Wertentwicklung von Pokémon-Karten über rund 20 Jahre auf:

+3'261 %

Fortune bezeichnete Pokémon damit als die Card-Kategorie mit der stärksten langfristigen Preisentwicklung in diesem Datensatz.

Zum Vergleich wurde für den S&P 500 im entsprechenden Vergleich häufig eine Entwicklung von ungefähr:

+421 %

genannt.

Rein mathematisch würde das bedeuten:

CHF 10'000 mit +3'261 %

= CHF 336'100

CHF 10'000 mit +421 %

= CHF 52'100

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Aber diese Zahlen müssen richtig interpretiert werden.

Sie bedeuten nicht, dass jemand vor 20 Jahren CHF 10'000 wahllos in Pokémon-Booster hätte stecken können und heute garantiert CHF 336'100 besitzen würde.

Welche Karten erfasst werden, Zustand, Grading, Seltenheit und sogenannte Survivorship- oder Selection-Effekte können solche Indizes erheblich beeinflussen.

Selbst Finanzmedien haben deshalb davor gewarnt, diese Zahl als direkten 1:1-Vergleich mit einem breit diversifizierten Aktienindex zu interpretieren.

Die langfristige Preisentwicklung hochwertiger Pokémon-Collectibles bleibt dennoch bemerkenswert.


Noch interessanter: Pokémon Sealed statt einzelne Karten

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis für Sammler ist deshalb nicht:

„Pokémon schlägt Aktien.“

Sondern:

Nicht alle Trading Cards entwickeln sich gleich.

In der Fünfjahresanalyse erzielte die durchschnittliche beziehungsweise mittlere Einzelkarte wesentlich schwächere Ergebnisse als versiegelte Produkte.

Der Median der Einzelkarten lag lediglich bei:

+38,3 %

Der Median der Sealed-Produkte dagegen bei:

+238,0 %.

Für Sammler und Käufer hochwertiger Collectibles ist diese Unterscheidung entscheidend.


Warum können ungeöffnete Pokémon-Produkte im Wert steigen?

Ein ungeöffnetes Produkt besitzt eine besondere Eigenschaft:

Mit jedem geöffneten Booster beziehungsweise jeder geöffneten Boosterbox kann die Anzahl original verschlossener Exemplare sinken.

Gleichzeitig bleiben nostalgische Sets für Sammler interessant.

Die Nachfrage kann also bestehen bleiben oder steigen, während verfügbare original verschlossene Ware langfristig seltener wird.

Dazu kommen mehrere Faktoren:

  • weltweite Bekanntheit der Pokémon-Marke

  • Nostalgie bei erwachsenen Sammlern

  • begrenzte Verfügbarkeit älterer Sets

  • Professionalisierung durch PSA, BGS und andere Grading-Unternehmen

  • globale Marktplätze wie eBay

  • transparente Verkaufshistorien und Preisplattformen

  • steigende Nachfrage nach hochwertigen Collectibles

Pokémon gehört zudem zu den weltweit grössten Entertainment-Franchises. Trading Cards sind dadurch nicht von einer kleinen Nischen-Community abhängig.


One Piece: Vom Kartenspiel zum High-End-Collectible

Noch jünger – und deshalb besonders interessant – ist das One Piece Card Game von Bandai.

Das japanische One Piece Card Game startete 2022. Die englische Version des ersten Sets OP-01 Romance Dawn erschien ebenfalls 2022.

Und gerade dieses erste Set zeigt eindrucksvoll, was bei erfolgreichen Trading-Card-Franchises passieren kann.

StockX gibt für eine englische Romance-Dawn-Boosterbox einen ursprünglichen Retailpreis von rund:

USD 100

an.

Im August 2026 lag der dort ausgewiesene letzte Verkauf bei ungefähr:

USD 1'431

Das entspricht gegenüber USD 100 einer theoretischen Wertsteigerung von rund:

+1'331 %

Natürlich ist dieser Vergleich besonders spektakulär und betrifft ein konkretes frühes Produkt, nicht den gesamten One-Piece-Markt.

Ausserdem existieren unterschiedliche Druckvarianten und Reprints, deren Marktpreise stark voneinander abweichen können.

Trotzdem zeigt OP-01 sehr deutlich, welche Bedeutung das erste Set einer erfolgreichen TCG-Serie langfristig für Sammler entwickeln kann.


CHF 10'000 in One Piece OP-01 – ein Gedankenexperiment

Nehmen wir rein hypothetisch an, ein Käufer hätte zum ursprünglichen Preis von USD 100 einen Gegenwert von CHF 10'000 vollständig in entsprechende Boosterboxen investieren können.

Bei einer Entwicklung von +1'331 % hätte die Position rechnerisch einen Wert von ungefähr:

CHF 143'100

erreicht.

Zum Vergleich:

Der S&P 500 stand am 2. Dezember 2022 bei 4'071,70 Punkten.

Im August 2026 lag der Index zuletzt bei ungefähr 7'641 Punkten.

Das entspricht auf Kursbasis ungefähr:

+87,7 %

CHF 10'000 wären damit ungefähr:

CHF 18'767

wert gewesen.

Der Unterschied ist enorm.

Aber nochmals: Der OP-01-Vergleich zeigt die Entwicklung eines aussergewöhnlich erfolgreichen Sammlerprodukts. Er ist kein Beweis dafür, dass zukünftige Boosterboxen dieselbe Entwicklung erreichen werden.


Auch Japanisch und Englisch können sich völlig unterschiedlich entwickeln

Ein weiterer wichtiger Faktor bei Trading Cards ist die Sprache beziehungsweise Edition.

Die japanische OP-01 Romance Dawn Boosterbox startete ebenfalls 2022. StockX nennt einen Retailpreis von USD 100 und zuletzt einen Verkauf um USD 308.

Das entspricht ungefähr:

+208 %

Die englische Variante entwickelte sich im selben Franchise deutlich stärker.

Für Collectibles-Investoren bedeutet das:

Nicht nur das Set entscheidet über den Wert.

Relevant können auch sein:

  • Sprache

  • Print Run

  • erste oder spätere Auflage

  • Reprints

  • Verpackungsvariante

  • Zustand

  • Nachfrage in verschiedenen Ländern

  • ikonische Charaktere

  • historische Bedeutung eines Sets


Was macht eine Trading Card langfristig wertvoll?

Hoher Preis allein bedeutet nicht automatisch gutes Investmentpotenzial.

Bei High-End-Collectibles spielen vor allem fünf Faktoren eine Rolle.

1. Scarcity – Knappheit

Je schwerer ein Produkt langfristig erhältlich ist, desto interessanter kann es für Sammler werden.

2. Bedeutung

Das erste Set eines TCGs, erste Karten ikonischer Charaktere oder historische Releases haben häufig einen besonderen Sammlerstatus.

3. Nachfrage

Eine seltene Karte ohne Käufer ist kein liquides Investment.

Pokémon, One Piece und andere grosse japanische Franchises profitieren von weltweiten Fan-Communities.

4. Zustand

Bei Einzelkarten kann der Unterschied zwischen PSA 9 und PSA 10 mehrere Tausend Franken betragen.

5. Sealed Condition

Bei Boosterboxen und Cases ist eine unbeschädigte Originalversiegelung entscheidend.


Sind Trading Cards also besser als Aktien?

Nicht grundsätzlich.

Aktien und Trading Cards sind vollkommen unterschiedliche Anlageformen.

Ein S&P-500-ETF bietet Beteiligungen an hunderten grossen Unternehmen, hohe Liquidität, transparente Märkte und Dividenden.

Trading Cards bieten dagegen keine Unternehmensgewinne, keine Dividenden und keine garantierten Cashflows.

Ihr Wert hängt davon ab, was andere Sammler zukünftig dafür bezahlen möchten.

Das macht Trading Cards spekulativer.

Eine wissenschaftliche Untersuchung weist beispielsweise darauf hin, dass Pokémon-Portfolios von Januar 2021 bis Dezember 2023 in einer untersuchten Strategie traditionelle Anlagen sogar unterperformten.

Es gibt also sowohl aussergewöhnliche Gewinner als auch enttäuschende Investments.

Gerade deshalb ist Selektion entscheidend.


Trading Cards als Alternative Assets

Trading Cards lassen sich eher mit anderen Collectibles vergleichen:

Uhren, Kunst, Oldtimer, Wein, Sneakers oder seltene Handtaschen.

Der Käufer erhält einen physischen Vermögenswert, dessen Preis von Knappheit, Zustand, kultureller Bedeutung und Nachfrage bestimmt wird.

Der grosse Unterschied zu vielen traditionellen Collectibles ist die relativ junge Käuferschicht.

Menschen, die in den 1990er- und 2000er-Jahren mit Pokémon aufgewachsen sind, verfügen heute zunehmend über eigenes Einkommen und Vermögen.

One Piece wiederum besitzt eine riesige internationale Fanbase und ein seit 2022 noch sehr junges Trading Card Game.

Diese Kombination aus Nostalgie, Popkultur, Knappheit und wachsender Kaufkraft macht den Markt für hochwertige Trading Cards besonders interessant.


Fazit: Können Pokémon und One Piece den S&P 500 schlagen?

Ja – einzelne Trading Cards und insbesondere ausgewählte Sealed-Produkte haben den S&P 500 in bestimmten Zeiträumen deutlich geschlagen.

Eine breit angelegte Fünfjahresanalyse kommt für den Median von 90 untersuchten Pokémon-Sealed-Produkten auf +238 %, gegenüber +80,9 % beim S&P-500-Kursindex.

Frühe One-Piece-Produkte zeigen teilweise noch extremere Entwicklungen: Eine englische OP-01 Romance Dawn Boosterbox stieg gegenüber ihrem ursprünglichen Retailpreis bis zu einem zuletzt dokumentierten StockX-Verkauf von rund USD 1'431 – ein Vielfaches des ursprünglichen Preises.

Die entscheidende Botschaft lautet deshalb nicht:

„Kauft irgendwelche Trading Cards.“

Sondern:

Qualität, Knappheit, Zustand, historische Bedeutung und die richtige Produktauswahl entscheiden.

Für Sammler, die ohnehin eine Leidenschaft für Pokémon, One Piece und japanische Popkultur besitzen, können hochwertige Trading Cards deshalb eine faszinierende Ergänzung zu klassischen Vermögenswerten darstellen.

Aber sie bleiben Collectibles – mit Chancen und Risiken.


Häufig gestellte Fragen zu Trading Cards als Investment

Sind Pokémon-Karten eine gute Wertanlage?

Bestimmte seltene Pokémon-Karten und insbesondere einige versiegelte Produkte haben historisch erhebliche Preissteigerungen erzielt. Die Wertentwicklung unterscheidet sich jedoch stark nach Set, Zustand, Seltenheit und Produktart.

Haben Pokémon-Karten den S&P 500 geschlagen?

In bestimmten Zeiträumen und Segmenten ja. Eine Analyse von 90 Pokémon-Sealed-Produkten errechnete zwischen Juni 2021 und Juni 2026 eine Median-Preissteigerung von +238 %, gegenüber +80,9 % beim S&P-500-Kursindex.

Sind One-Piece-Karten als Investment interessant?

Das One Piece Card Game ist noch jung. Besonders frühe Sets wie OP-01 Romance Dawn haben teilweise starke Preissteigerungen erlebt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich zukünftige Sets genauso entwickeln werden.

Was ist besser: Einzelkarten oder sealed Boosterboxen?

Historische Daten zeigen zumindest bei Pokémon erhebliche Unterschiede. In der genannten Fünfjahresanalyse lag der Median der Sealed-Produkte bei +238 %, während der Median der untersuchten Einzelkarten lediglich +38,3 % erreichte.

Was bedeutet „Sealed“ bei Trading Cards?

Sealed bedeutet, dass ein Produkt noch original verschlossen und ungeöffnet ist. Dazu gehören Boosterboxen, Displays, Cases, Elite Trainer Boxes und andere original verpackte Produkte.

Welche Trading Cards sind besonders gefragt?

Zu den weltweit bekanntesten TCG-Franchises gehören Pokémon, One Piece, Magic: The Gathering und Yu-Gi-Oh!. Bei Sammlern spielen insbesondere frühe Sets, seltene Karten, PSA-10-Karten, Manga Rares und limitierte Produkte eine Rolle.


Quellen und Methodik

Die verwendeten Marktdaten stammen unter anderem aus Analysen und Verkaufsdaten von Card Ladder, TCGinvest, Fortune, PSA, TCGplayer, PriceCharting, StockX, FRED und Reuters. Marktpreise von Collectibles können je nach Plattform, Zustand, Edition, Sprache und tatsächlichem Verkaufspreis erheblich abweichen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informations- und Unterhaltungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Garantie für zukünftige Wertentwicklungen dar.